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Stand: 10.01.2009

Theaterscheune

"Ausstellung - Die gefiederte Schlange"

Uraufführung: 19. & 20. September 2002

Tanzperformance

Tanz & Choreographie: Michaela Isabel Fünfhausen

Raum & Licht: Kim Zieschang

Musik: Hüri Reinvere

"Ausstellung - Die gefiederte Schlange" heißt die in der Theaterscheune seit August 2002 entwickelte Tanzperformance von Michaela Isabel Fünfhausen (Choreographie und Tanz) und Kim Zieschang (Licht und Raum), die am 19. und 20. September um 20 Uhr uraufgeführt wird. Danach geht das Stück ins "Theater im Ballsaal" (3.-6. Oktober) in Bonn und wird im Museum Bochum (25. September, 18. Oktober) gezeigt. Die Produktion wird gefördert von der Stadt Bochum, dem Fonds Darstellende Künste und der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen.

Michaela Isabel Fünfhausen hatte die Idee zu einem Tanzstück, das sich mit der archaischen Kultur der Maya und Azteken, genauer, mit deren zentraler Gottkeit: Quetzalcoatl, der "gefiederten Schlange" befaßt. Daunen sollten es sein, mit denen sie in dieser Performance umgehen wollte. Ein besonderes Material, fast schwerelos, fast ohne Widerstand und blendend weiß - eine Herausforderung für die Choreographie von Bewegungen, von Tanz. Sie lud die Bildhauerin Kim Zieschang, die für ihr letztes Stück eine Schieferbühne gebaut hatte, zu einer weiteren Zusammenarbeit ein.

Die beiden Künstlerinnen haben - in harter Konkurrenz zu einigen großen Weinproben und den Geburtstagsfeierlichkeiten des Ortsvorstehers - über sechs Wochen Probenzeit gemeinsam ein Stück entwickelt, ein ungewöhnliches Stück: eine Performance. Es beginnt mit dem dafür eingerichteten Raum. Hatte Kim Zieschang noch im Juli für das Gastspiel des Tanztheaterstückes "... in die Stille ..." (zu Schuberts Weinterreise) die Theaterscheune mit der Installation einer gewaltigen Bühnenskulptur aus Schiefer versehen, so arbeitet sie diesmal nur mit weißen Materialien, und außerdem mit ganz leichten: Seidenstoffe, Gaze, Daunen und Licht.

Zu bestaunen sind nun zwei ineinandergeschachtelte transparente, von innen erhellte Würfel, deren Gestell aus Wasserrohren zusammengeschraubt ist. Der kleinere hat die Maße 2x2x2m, der äußere die imposante Statur von 4x4x4m. Interessant behauptet sich dieser vielschichtige "Kunstraum" gegen das Gebälk der Theaterscheune. Sah man im Juli bei der Vorstellung des "Schieferstücks" durch das halboffene Scheunentor, vielleicht zum ersten Mal, den Trompetenbaum an der Mauer gegenüber so deutlich wie man sonst nur ein Bühnenbild betrachtet, so macht der "Kunstwürfel" diesmal die Scheune als ein architektonisches Gebilde sichtbar: das Muster des Gebälks, die rauhen Mauern, der Holzfußboden. Der Kunstraum Würfel ist indessen ganz weiß, auch sein Boden. Erleuchtet wird die geschichtete Raumskulptur von 36 Neonröhren, die beiden Räume leuchten von innen, sind in sich abgeschlossen. Und im innersten Würfel ist eine Daunenkammer: wie die Steigerung der Leichtigkeit und Helligkeit, gewissermaßen materialisiert, ist hier der Stoff eingelagert, aus dem Gottheiten gemacht sind.

"Die gefiederte Schlange" als die zentrale Gottesfigur der Maya und Azteken in Mexico war halb Priester und Herrscher, halb Gott und Heiler und prägte die gesamte untergegangene Kultur. Das Verhängnis dieser Völker war eine Verwechslung: sie hielten die spanischen Eroberer für ihren wiederkehrenden Gott, der als weißhäutig beschrieben worden war: "Quetzalcoatl" (gefiederte Schlange).

Michaela Isabel Fünfhausen tanzt in den Gängen der Skulptur Bilder und Reliefs, Schriftzüge und schamanistische Vorgänge, gibt der Transparenz des Raums eine eigene flüchtige Sprache, betritt auch die Daunenkammer, in der andere Formen des Tanzes entstehen.


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